Spanien 2011

Am 18. März ging es abends bei Leipzig los. Noch 3000 km bis Tarifa, der südlichsten Spitze des europäischen Festlandes. Unsere erste Etappe (1000km) führte uns zunächst nach Lyon ins Rhöntal. Ein Freund zeigt uns die sehenswerte Stadt, von der man sonst nur die Raffinerie und Industrie an der Autobahn sieht. Am Sonntagmorgen ging es dann ausgeschlafen weiter. Wir hatten uns für die Mittelmehrroute entschieden und fuhren auf mautfreien Straßen immer weiter in Richtung Südwest. Unser Ziel für Sonntag war es, in den Abendstunden, noch an Barcelona vorbei zu kommen. Das gelang uns auch und uns blieb der Stau um die Stadt am Montagvormittag erspart. Kurz vor Tarragona übernachteten wir auf einem kleinen Parkplatz direkt am Meer.

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Am Montagmorgen ging es dann zurück auf die „Autopista“ und weiter Richtung Süden an Valencia und Murcia vorbei zum Mar Menor. Hier war Ostwind angesagt, den wir 3 Tage lang voll ausnutzten. Bei Ostwind empfiehlt es sich nördlich des Dörfchens Los Nietos ins Wasser zu gehen. Für Surfer und Kiter ist hier genügend Platz. Das Wasser ist lange steh-tief und die Bedingungen sind bei Winden bis zu 20 Knoten für Aufsteiger ideal. Wenn es stärker wird, wird das Wasser hässlich kappelig und es rufen sowieso die Wavespots.

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Bis zum Mar Menor waren es rund 2550km. Am Freitag legten wir noch 250km bis zum Capo de Gata drauf. Über Catagena fuhren wir die Küstenstraße parallel zur AP7 immer weiter nach Süden. Laut unserem Surfguide wäre Mojácar als nächster Surfspot in Frage gekommen. Der Wind reichte aber nicht aus. Der breite Sandstrand sah sehr einladend aus und es rollten auch 1,5- 2 Meter große Wellen an den Strand, doch waren nicht einmal Kiter zu sehen, die uns vielleicht verraten hätten können, wo die beste Welle läuft. Es ging weiter nach Carboneras. Hier nahm der Wind dann zu. Die Wellen rollten zwar fast gerade auf den Strand, der Wind kam aber schön von links und ich nutzte die Gelegenheit zum Surfen. Nach 3 Stunden brachen wir dann wieder auf und fuhren die restlichen Kilometer bis zum Cabo de Gata.

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Als wir ankamen, fing es an zu dämmern und wir holperten im letzten Sonnenlicht über die Schotterpiste zu den Parkplätzen, die direkt an den Stränden liegen. Wir fanden nicht einen anderen Bus und waren deshalb etwas verunsichert. Wird man hier nachts weg gescheucht? Wir übernachteten dann doch in San José und fuhren am nächsten Morgen wieder zum Strand um festzustellen, dass in der Nacht doch vier andere Transporter zu den Parkplätzen gefunden hatten und dort übernachtet hatten. In der folgenden Nacht schliefen wir dann ebenfalls ungestört am Meer.

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Der erste und auch größte der drei Strände bei San José eignet sich bei Ostwind herrlich zum Surfen. Im linken Teil der Bucht waren immer ein paar Wellenreiter. Ab Mitte der Bucht startet man bei ONO in Richtung rechts und fährt auf immer höher werdende Wellen zu. Offensichtlich steigt der Meeresboden hier nur langsam an und die Wellen laufen hier wirklich traumhaft. Einige waren bei 18-20 Knoten locker 2,5 Meter hoch. Die Wellen brechen hier auch eher harmlos, so dass ich mal behaupten möchte, dass Wave-Einsteiger hier auch gut zurechtkommen. Der Shorebrake ist hier auch eher harmlos. Alles in allem einfach ein geiler Spot, nur in der Saison kommt man hier nicht mit dem eigenen Auto hin.

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Der nächste Tag bringt nur Wellen aber keinen Wind. Bei 25°C und unerbittlicher Sonne nehmen wir unsere Freestyler zum Wellen reiten. Auch Lisa, unsere Hündin, darf mal ein Welle abreiten. :)

Am Abend fahren wir nach Almerimar. Hier soll die nächsten Tage Westwind sein. Wir bleiben 4 Tage, stehen 50 Meter vom Meer entfernt bei dem Örtchen Guardias Viejas, das sich im Westen an Almerimar anschließt und genießen jeden Tag die Sonne. Nachdem die ersten 2 Tage Wind war, folgten zwei Tage reiner Windstille. In Almerimar gibt es einen englischen Pub mit freiem W-Lan. Das Bier schmeckt, der Preis ist ok und CNN läuft auch. Wir surfen zur Abwechslung mal im Internet und sehen, dass in Tarifa ab morgen der Levante bläst. Also ab nach Bolonia!

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Wir haben 3 Tage Wind bei 26°C und Sonne. Wir surfen jeden Tag bis wir nicht mehr können und pendeln jeden Tag zurück nach Tarifa um dort zu übernachten, Wasser aufzufüllen und einzukaufen. Bolonia ist ein traumhafter Strand. Die Farben, der Sand, die Kühe :) und auf der anderen Seite Afrika.

Mittlerweile ist Sonntag der 3.4.2011. Der Wind ist weg und die Aussichten für die nächsten Tage eher mäßig. Da wir in einer Woche wieder daheim sein müssen, entschließen wir uns, nach Angies Galopp auf einem Andalusier am Strand von Tarifa, den Heimweg aufzunehmen. Wir fahren am Sonntagmittag nach Gibraltar um zu tanken... dummer Fehler! Wir stehen fast 2 Stunden im Stau um dann 1,20€ statt 1,31€ für den Diesel zu bezahlen. Dazu kommen noch 30 km Umweg. Wer nicht zu den Affen auf dem Gibraltarfelsen will, sollte davon absehen. Auf jeden Fall zu dieser Tageszeit.

Mit vollem Tank fuhren wir in die Berge hinauf nach Ronda. Erst über die A-405 und dann über die A-369. Die kurvige Strecke führt an malerischen weißen Dörfern vorbei und kleine Rastplätze laden immer wieder zum Fotografieren ein. Ronda ist auf jeden Fall einen Halt wert. Die Brücke, über der Schlucht inmitten der Stadt, ist nur ein Grund. Über die A-367, A-357 und A-451 fahren wir am Sonntag noch fast bis Osuna. Auf einem größeren Parkplatz vor der Stadt übernachten wir.

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Kurz vor 8 Uhr werden wir wach gemacht. Ein halbes Dutzend Spanier möchten Bäume auf dem Parkplatz pflanzen. Natürlich genau einen Meter neben unserem Auto. Also starten wir erst einmal ohne Frühstück und fahren über die A-351 nach Écija, Nebel und Sonne wechseln sich immer wieder ab und in den schlammigen Lagunen, links und rechts der Straße, stapfen etliche Flamingos umher. Écija mit seinen 10 oder 11 Kirchtürmen lassen wir links liegen und fahren auf die Autobahn in Richtung Norden. Nach 55 Kilometern sind wir kurz vor 10 Uhr in Córdoba. Nach dem Kreisverkehr der Autobahnabfahrt, zum historischen Stadtzentrum, kommt rechts ein Erosci- Einkaufszentrum. Für einen Euro dürfen wir hier den ganzen Tag stehen, wenn wir wollen. Also lassen wir den Ducato dort und gehen zu Fuß in die Stadt. Viel näher ran kommt man mit dem Auto sowieso nicht. Wir laufen kreuz und quer durch die Gassen, besuchen die Mezquita (8€/Per) und schlürfen hinterher in einem kleinen Café, in der Sonne sitzend, einen Milchkaffee. Die Mezquita sollte man so zeitig wie möglich aufsuchen. Im Innenhof mit den Orangenbäumen ist wirklich die Hölle los, da sich hier offensichtlich alle Reisegruppen versuchen zu organisieren. In der Kathedrale verläuft sich dann jedoch wieder alles.

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Halb 4 sind wir wieder auf der Autobahn. Wir wollen am Abend zur Festung in Banós de la Encina. Auf dem Weg dorthin finden wir irgendwo zwischen den tausenden Olivenbäumen eine Wiese zum verweilen. Ein herrlicher Platz mit Aussicht, nur etwas heiß ist es. Die Burg ist leider geschlossen, als wir am Abend in das Städtchen fahren. Wir laufen einmal drum herum, lesen alle Infotafeln und verlassen das Olivenbaumland über die Autobahn in Richtung Madrid. An der nördlichen Grenze Andalusiens, nach Kastilien - La Mancha, führt uns unsere Route durch eine tiefe Schlucht. Hier zeigen die LKW-Fahrer mal was sie drauf haben und rasen wie die Irren um die Wette durch die zweispurigen Serpentinen. Die Spanier sind hier fleißig am bauen. Die riesigen Brücken stehen schon. Nur darüber fahren darf man noch nicht.

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In Kastilien biegen wir dann nach links, von der Autobahn ab, auf die CM-4111. Nach ca. 30km erreicht man den Ort Calzada de Calatrava. Ein paar km davor finden wir eine Schotterpiste nach Irgendwo. Wir fahren 2-3 km in genau diese Richtung und übernachten auf einem Schotterplatz in der Botanik. Es gibt keinen Handyempfang und es geht genau ein Radiosender. Das kann man wirklich Abgeschiedenheit nennen!

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Am nächsten Morgen fahren wir zu den Ruinen der Calatrava – Ordensburg. Hinauf führt eine mittelalterliche Straße. Man fährt einmal um den Berg und findet oben angekommen einen großen Parkplatz. Auf halbem Weg lassen wir unser Auto jedoch stehen. Es tut uns einfach leid. Wir laufen also das letzte Stück und genießen hierbei schon die Aussicht. Auf dem Weg treffen wir eine kleine Gruppe Spanier, die die Straße ausbessern, am Tor zur Burg eine weitere die den Parkplatz herrichtet. Wir werden immer freundlich begrüßt und erstürmen dann die Burg.

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Im Burghof wurde uns vom Baustellenleiter erklärt, dass wir überall hin laufen können und dass wir uns unbedingt die Kirche ansehen müssen. Wir sind die einzigen Touristen. Einen Eintritt müssen wir nicht zahlen, schmeißen aber beim Gehen 10 Euro in die Spendenbox. Auf der Burg wird auf Tafeln einiges auf Spanisch und Englisch beschrieben. Wir saugen alles auf und spielen Verstecken auf der Burg. Der Ausblick von der Burg ist überwältigend und der Umweg lohnt sich auf jeden Fall.

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Am frühen Nachmittag fahren wir dann über die CM-413, CM 4107 und die N-420 nach Campo de Criptana. Von Weitem sieht man schon die Dutzend Mühlen die überall hier in der Gegend auf den Hügeln stehen und die Don Quichotte für Riesen hielt.

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Wir bleiben ein paar Stunden bei den 10 Mühlen und liegen faul in der Sonne bevor wir weiter nach Belmonte fahren. Dazu bleibt man einfach auf der N-420. Die letzen 10 km geht es gerade auf den Ort zu und man sieht von Weiten schon die Burg. Kurz nach 18 Uhr kommen wir an. Bis 19 Uhr ist geöffnet. Prima! Ein Bus mit gewöhnlichen ;) „Touris“ fährt gerade weg.

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Wir haben Belmonte für uns ganz allein. Eine Etage ist im Stile des 15 Jh., die andere des 19 Jh. eingerichtet. Nach 30 Minuten haben wir alles gesehen, denn es stand uns ja auch niemand im Weg. Noch eine Burg, die sich auf jeden Fall gelohnt hat.

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Am nächsten Tag fahren wir an Cuenca vorbei in die gleichnamige Serrania. Ab Cuenca muss man dazu die CM 2105 nehmen. Wer die Stadt besichtigen will kann übrigens am Riu Júcar, am Beginn der Straße in die Berge, auf einem kleinen Parkplatz, sein Auto abstellen. Die Straße heißt Paseo de Júcar. Man geht über eine Brücke und steigt dann eine Treppe hinauf in die Stadt. Man kommt dann gleich am Fuß der Altstadt an und kann sich das Vorstadtgetümmel ersparen.

Für uns geht es immer weiter die Berge hinauf am Riu Júcar entlang. Wir bleiben auf der CM-2105 und fahren an einem Stausee entlang. Ab hier geht die Strecke wieder mehr in Richtung Norden. Wir kommen durch Tragacete ( hier gibt es sogar eine Tankstelle ) und fahren jetzt auf der CM-2106.

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Nach 1600 Höhenmetern, irrer Berg- und Talfahrt und eindrucksvoller Landschaft, kommen wir über die CM-210 nach Molina de Aragon. Über Schotterstraßen kommt man bis zum Burgfried. Der ist leider zu. Wir machen Fotos und entschließen uns weiter zu fahren. Es geht genau nach Norden zum Menasterio de Piedra. Ein Kloster in Mitten von Nichts. Erst geht es, wie zuvor, über die CM-210, die dann an der Grenze zu Aragón zur A-202 wird. Ab hier wird die Straße wirklich abenteuerlich. 4 Meter breit, asphaltiert aber uneben. Wir kommen leider zu spät und können es nicht mehr besichtigen. Es geht weiter zur Autobahn und wir machen noch ein paar km in Richtung Huesca. Hier kaufen wir am nächsten Tag noch 3 Serrano Schinken bevor wir uns auf unsere letzte Etappe durch Spanien machen.

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Das Castillo de Loarre liegt im Norden von Huesca. Wir können über die Ebene schauen, über die wir gekommen sind als wir die Burg erreichen. Es gibt einen großen Parkplatz und wer den Eintritt zahlen möchte, kann natürlich auch die Burg besichtigen.

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An den Mallos de Riglos, den beeindruckende Felsformationen am Fuße der Pyrenäen, vorbei geht es zum Stausee Embalse de la Pena. An der Staumauer sollte man unbedingt mal anhalten. ;) Über den See kommt man auf einer rostigen Brücke. Uns kam vorher ein LKW entgegen - „Also wird sie auch uns aushalten!“, denken wir und fahren hinüber. Auf der anderen Seite verlassen wir die gut ausgebaute A-132 und fahren am See entlang nach Osten und später nach Norden. Ein Berg, der Pena Oroel bestimmt das Landschaftsbild. Am Fuße des Berges machen wir unsere letzte Rast in Spanien. Es sind 26 Grad, wir sonnen uns und schauen rüber zu den mit Schnee bedeckten Bergen der Pyrenäen hinter denen Frankreich und 1900 km Straße bis nach Hause auf uns warten.